Kanaren - Die Geschichte der Kanarischen Inseln
Will man sich auf die Suche nach den Ursprüngen der Kanaren, begeben, so trifft man zunüchst nur auf ein grosses Fragezeichen. Über die Frühgeschichte der so genannten Inseln der Glückseeligen herrscht unter Forschern, Historikern und Wissenschaftlern Uneinigkeit. Während einige in den Kanaren gar die Reste des versunkenen Kontinents Atlantis sehen, gehen andere davon aus, dass die ersten Einwanderungswellen auf die Kanaren bereits um 3000 v. Chr. aus Nordafrika erfolgten.
Letztere verweisen auf Skelettauswertungen, bei denen man eine Verwandtschaft zwischen altkanarischen und nordafrikanischen Völkern nachweisen konnte. Allerdings nicht Beweis genug, konnte man ebenfalls zahlreiche Übereinstimmungen mit berberischen Kulturen aufzeigen. So bleibt die Frühgeschichte bis in die heutige Zeit hinein ein Mythos, dass Wissenschaftlern weiterhin Rätsel aufgeben wird.
Indes ist man sich einig darüber, dass die Phönizier vom heutigen Cadiz auf ihrer atlantischen Seefahrten um 1100 bis 800 v. Chr. die kanarischen Inseln entdeckten und als erste die Siedler der Insel kennen lernten. Es wird vermutet, dass die Stämme bereits ab dem 5. Jahrtausend die Inselgruppe bewohnten. Die Ureinwohner lebten nach den Regeln ihrer Naturreligion, vertrauten auf kosmische und irdische Elemente und zeichneten sich durch ihre hoch entwickelte Sozialstruktur aus.
Es waren vor allem Bauern und Hirten, die in Höhlen lebten, sich vom Fischfang ernährten und in Felle kleideten. Da sie keinen Kontakt zu Afrika oder den Nachbarinseln hatten, wird davon ausgegangen, dass die Altkanarier - auch Guanchen genannt - eine friedvolle Steinzeitkultur gewesen sind. Der Frieden wurde maßgeblich gestört, als 1402 im Auftrag der spanischen Krone der normannische Söldner Jean de Bethencourt und Gadifer de La Salle die Insel Lanzarote besetzten. Diesem Ereignis folgte ein Jahrhundert lang andauernder Eroberungskrieg um den gesamten Archipel, bei dem die stark Widerstand leistenden Altkanarier schließlich am 29. April 1483 der abgeschlossenen Eroberung der Insel Gran Canaria entgegensahen. Genozid, Versklavung und erzwungene Assimilation waren das Schicksaal der entmachteten Inselbewohner. Einen nicht unwesentlichen Beitrag leistete die katholische Kirche mit den von ihr durchgeführten Inquisitionen. Letzten Endes blieben nur wenige Zeugnisse von der altkanarischen Kultur bewahrt.
Die neuen Herren über die Inseln verschrieben sich fortan der Umsiedlung der Altkanarier innerhalb des Archipels, verkauften sie als Sklaven aufs Festland und setzten die Bewohner einem verstärkten Assimilationsdruck aus. Im Zuge dieser Politik übernahm die einheimische Bevölkerung weitgehend die fremde Kultur und Sprache, so dass sie bereits 1514 den Spaniern rechtlich gleichgestellt werden konnte. Sie wurde Teil des etablierten Feudalsystems, das sich auf Gran Canaria bis ins 18. Jahrhundert aufrecht hielt.
Die Eroberung erfolgte unter dem Deckmantel einer religiösen Mission, tatsächlich lagen ihr wirtschaftliche Interessen zu Grunde, die nun in Angriff genommen werden konnten. Die Spanier nutzten die wichtige geostrategische Lage der Inseln, gründeten zahlreiche Städte und Häen und trieben die Landwirtschaft der Inseln voran. Gern wird erzählt, dass Christoph Columbus (Cristobal Colon) in Gran Canaria vor Anker ging, bevor es sich aufmachte Indien auf dem Seeweg zu erreichen und dabei Amerika entdeckte.
Das 16. Jahrhundert zeichnete sich durch eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft aus, vor allem aber durch die Anpflanzung von Zuckerrohr, das zum wichtigsten Exportartikel Gran Canarias wurde. Negative Begleiterscheinung war die erste großflächige Waldrodung. Außerdem kam der Insel eine besondere Rolle im westafrikanischen Sklavenhandel zu. Weitere wirtschaftliche Erfolge konnten die Inseln durch die Einfuhr von neuen Getreidesorten und Obstbäumen aus dem Mittelmeerraum erzielen. In dieser Periode erlebte auch der Weinanbau einen starken Aufschwung, so dass sich bis zum Ende des 17. Jh. die Wirtschaft auf die Erzeugung heimischer Weine stützen konnte. Die Zuckerindustrie geriet allmählich in eine Krise und man begann auf eingeführte Nutzpflanzen wie Kartoffeln und Mais umzuschwenken.
Der wirtschaftliche Aufschwung wurde im 18. Jahrhundert durch den Verlust von Absatzmärkten beendet und es setzte eine Phase von ökonomischer Regression ein, der erst durch König Carlos III Einhalt geboten werden konnte. Epoche des Liberalismus, könnte man das 19. Jahrhundert nennen. Die Inseln öffneten sich und schlossen einen Kompensationshandel mit Frankreich und England ab, bei dem sie vor allem den roten Cochenille-Farbstoff exportierten. 1852 wurde der Archipel zur Freihandelszone erklärt, so dass internationale Handelsbeziehungen zunahmen und die Inseln auf dem europäischen Festland zur bekannten Größe avancierten. Der Bau des Hafens Puerto de la Luz in der Hauptstadt Las Palmas Ende des 19. Jahrhunderts zeugt davon, dass der Handel florierte. Die großen Tomaten und Bananenmonokulturen, die ebenfalls gegen Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurden, erinnern an die Zeit wirtschaftlichen Aufbruchs und erwirtschaften den kanarischen Inseln heute noch Gewinne.
Die gute geostrategische Lage wurde dem Archipel im spanischem Bürgerkrieg 1936-1939 und während des II Weltkrieges zum Verhängnis. Die Inseln befanden sich wieder in Not. Doch der in den Fünfzigern und Sechszigern einsetzende Tourismus konnte dem Archipel wieder zum Wohlstand verhelfen, denn nicht nur die Tourismusindustrie schuf Arbeitsplätze. Der Massentourismus, wie er für die Siebziger kennzeichnend ist, ließ riesige Betonklotze aus dem Boden stampfen, die weitere Arbeitsplätze im Baugewerbe garantierten. Begünstigend wirkte auch der Tod Francos 1975 und die Übernahme der Regierung Königs Juan Carlos, der Spanien in eine parlamentarisch-demokratische Monarchie umwandelte. Die boomende Wirtschaft auf den Inseln zog einen sprunghaften Bevölkerungszuwachs nach sich, all jener die hier Arbeit fanden, aber auch all jener, die ihren Urlaub auf den stets frühlingshaften Inseln verbringen wollten. Daran hat sich bis heute nichts verändert, nicht nur einmal hat das kanarische Fremdenverkehrsamt ein Rekordjahr an Tourismuszahlen ausrufen müssen.
Sie können den RSS 2.0 Feed abonnieren. Sie können einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback von ihrer eigenen Webseite machen.
Schreiben Sie ihre Meinung!